GamuT reloaded

28 Mai

Die dänische Endstufe GamuT D100 (Beitrag zu GamuT hier) verrichtet seit 2003 in meiner Kette ihren Dienst. Das sind nun bald annähernd zwei Dekaden. Ohne Murren und – sofern die Musik das hergibt – mit Verve und in Cinemascope.

Seit einiger Zeit war unregelmäßig und nur nach dem Einschalten ein hochfrequenter Pfeifton auf dem linken Kanal hörbar. Nach dem Ausschlussprinzip wurden andere Glieder der Kette als unbeteiligt identifiziert und die GamuT geriet eindeutig in den Täterkreis. Eine Reparatur war fällig – und das schon nach gut 20 Jahren… 😉

Herr Hauptmann von Musik im Raum aus Wiesbaden, bei dem ich seinerzeit den GamuT gekauft hatte, antwortete auf meinen Hilferuf prompt und empfahl mir den Profi für GamuT-Reparaturen und -Updates. Und tatsächlich: Radio Geiger, der Fernsehmann, aus dem hessischen Kiedrich bot an, Abhilfe zu schaffen. 25 kg schickt niemand gerne auf Reisen und harte Tage ohne Musik via Lautsprecher standen an… Wer Körperschall als Teil des Gesamterlebens empfindet, wird mit Kopfhörern – auch noch so formidablen – wohl nie vollends glücklich.

Neue Silberverkabelung zu den Lautsprecherklemmen im GamuT D100

Nach erfolgreicher Reparatur wurden von Alexander Geiger noch die Kabel zu den Lautsprecherklemmen im Inneren durch Silberkabel ersetzt. Der Amp spielt nicht nur wieder tadellos, er singt! Und mir wurde schlagartig bewusst, wie sehr ich das Lauthören über Lautsprecher in den Tagen davor vermisst hatte. Die Musik bleibt jederzeit organisch, fließend, ganz ohne technische Artefakte oder Aufdickungen! Aus einer sehr guten Basswiedergabe ist eine noch bessere geworden; tief hinabreichend und auch in den untersten Lagen jederzeit deutlich konturiert. Was noch auffiel? Das „Pin-pointing“ von Schallereignissen im Raum. Auch der aufgespannte Raum selbst scheint an Kontur und Nachvollziehbarkeit deutlich dazugewonnen zu haben.

Noch mehr Schmelz dank der HiFi-Tuning Supreme 3 Feinsicherung

Durch den Wiedereinzug des Amps habe ich mich noch mal eingehend mit den Pegelverhältnissen meiner Kette beschäftigt. Der GamuT D100 blieb am Ende bei den werkseingestellten -12 dB. Der zuliefernde DAC, der Chord Hugo TT, wird aber nun statt per XLR mit Cinch mit der Vorstufe verbunden und der Ausgangspegel am DAC manuell etwas herunter geregelt. Der Ausgangspegel des Hugo TT bei Vollaussteuerung ist mit 4,78V über Cinch doch des Guten zu viel. Das Ergebnis: bei hochausgesteuerten Alben (wie z. B. von Moderat aus Berlin) gibt vor allem im Hochtonbereich Verzerrungen der äußerst unangenehmen Art. Auf hifi-übliche 2,4 Volt herunter gegelt, klang es (wieder) top.

Normalerweise gibt es in diesem Blog keine Werbung. Für Herrn Geiger muss es aber mal sein: super Service, top Kommunikation und ein sehr überzeugendes klangliches Ergebnis nach Update der GamuT-Endstufe. Zudem war der Amp selbst im Neuzustand nach Kauf nicht so gut und professionell verpackt gewesen wie bei der Rücksendung. Eine dicke Empfehlung!

Ach ja: eine neue Sicherung gab es für den GamuT auch noch. Die Wirkung ist deutlich mehr als die sprichwörtliche Kirsche auf der Sahne und womöglich einen eigenen Beitrag wert. In die Halterung am GamuT wanderte eine HiFi-Tuning Supreme 3 Feinsicherung in der Kupfervariante.

Der Versender sagt: „Die Kupferversion der audiophilen Feinsicherung Supreme 3 von HiFi-Tuning Berlin verwendet für Kappen und Schmelzleiter eine spezielle und extrem hochwertige Kupferlegierung. Die Kappen sind 24kt. vergoldet, um die Oxidation des hochreinen Kupfers zu verhindern. Die Sicherung mit Schwarzem Keramik-Körper wird von HiFi-Tuning kryogenisiert und einer Quanten-Behandlung unterzogen.“

Ich sage: „Bei hochwertigen Komponenten auf jeden Fall ausprobieren. Den klanglichen Zugewinn habe ich so nicht für möglich gehalten. Ein Hochgenuss!“

Auf die nächsten 20 Jahre mit der GamuT-D100!

Update (August 2026)

Jetzt war es also doch passiert. Ich hatte 2023 die Möglichkeit, einen D200 mit silberner Front in sehr gutem Zustand von einem Dänischen Privatverkäufer und GamuT-Enthusiasten zu erwerben. Die Verlockung war doch zu groß, auf diesem Weg die Original-Topologie dieses dänischen Amps ins Rack zu bekommen und zu hören, was ihn so besonders macht. Von meinem D100 habe ich mich mit einer Träne im Knopfloch getrennt. Ich bin mir aber sicher, dass es jemanden geben wird, der oder die weiterhin viel Freude damit haben wird.

Nach dem Kauf wurde erneut Alexander Geiger, der GamuT-Fachmann, eingespannt, um noch mehr aus dem D200 herauszukitzeln. Dabei wurden wiederum (wie bei der D100) die Kabel zu den Lautsprecherklemmen durch Silberkabel ersetzt, aber auch die Lautsprecher-Relais getauscht (lt. Herrn Geiger das einzige echte Verschleißteil auf der Endstufenplatine). Bei der Gelegenheit wurde auch die Leistungsendstufe mit einem Upgrade bedacht und dabei der Dämpfungsfaktor verbessert bzw. der Ausgangswiderstand reduziert. Das Gerät entspricht bis auf die unveränderte Verstärkerfront nun dem GamuT D200i. Was offenbar Zeit gekostet hat, war die penible Einstellung des Arbeitspunktes mit längeren Probeläufen mit Warm-ups dazwischen. Aber es hat sich gelohnt…

Die eingesetzten MOSFETs und das eigentliche „Herz“ der Endstufe machen den Unterschied. In der D200 werkeln solche, die ursprünglich für den Einsatz in Schaltnetzteilen entwickelt wurden. Pro Kanal werden zwei dieser MOSFETs verwendet – jeweils für die positive und die negative Halbwelle. Zur Stromversorgung kommen zwei Ringkerntransformatoren mit jeweils 500 VA sowie einer Siebkapazität von insgesamt 32.000 µF zum Einsatz. Die Strombelastbarkeit der MOSFETs macht eine aufwändige Schutzschaltung erforderlich. Mithilfe von Temperatur- und Stromsensoren erkennt die Schaltung unter anderem Gleichspannungsfehler (DC), starke subsonische Signale, länger anhaltende Ultraschallsignale, Übertemperatur, niederohmige Lasten und Kurzschlüsse. Also alles nichts, worüber man sich in der alltäglichen Nutzung den Kopf zerbrechen müsste. Es funktioniert sicher und stabil.

Die eigentlich spannende Frage: Was macht denn nun dieser 31 kg schwere Endstufenbolide?

Der GamuT D200 spielt definitiv in einer anderen Liga als die kleine Schwester. Obschon die Familienähnlichkeit hörbar zutage tritt, legt der D200 in jeder Hinsicht nochmal deutlich nach. Sie macht alles besser als die kleine Schwester und tritt deutlich souveräner auf. Ich zitieren hier aus meinen Notizen nach den ersten Höreindrücken: „Diese Endstufe – beide Ausbaustufen der Gamuts sind ja quasi identisch – ist wirklich in jeder Hinsicht besser als die D100, die ja grundsätzlich auch alles andere als schlecht ist und die ich in den letzten Tagen noch mal ausgiebig gehört habe. Vor allem aber die Räumlichkeit und Selbstverständlichkeit der D200 ist eine ganz andere Liga. Ich meine auch zu vernehmen, dass sich im Bass noch etwas getan hat. ‚Nachdrücklicher‘, würde ich sagen. Was m.E. wirklich hervorsticht bei der D200 ist die stupende Räumlichkeit und Natürlichkeit. Zudem gibt es mit meinen Lautsprechern keinerlei Kompressionseffekte. Das spielt jetzt auf einem wirklich absolut hohen Niveau. Sehr beglückend!“ 

Der D200 liefert 200 Watt pro Kanal an 8 Ohm (und exakt das Doppelte an 4 Ohm). Es wird empfohlen, den D200 am besten mit Lautsprechern höherer Empfindlichkeit zu kombinieren. Lautsprecher mit geringerem Wirkungsgrad sowie Elektrostaten sind womöglich kein gutes Matching. Zu meinen Verity Parsifal Encore mit ihren 89dB Empfindlichkeit passt die Endstufe sehr gut. In dieser Kombination spielt das Gespann wirklich top-notch und ohne Notwendigkeit, für diesen (gebrauchten) Weltklasse-Amp Kredite aufzunehmen. Sehr empfehlenswert, wenn die Paarung mit dem Lautsprecher passt!

Wenn man hier noch etwas drauflegen will, ist man definitiv bei den sprichwörtlichen Kanonenkugeln in Form der Monoendstufen M200 von GamuT: doppelter Platzbedarf, doppelte Netzleitung etc. pp. Aber warum, wenn es mit der GamuT D200 Endstufe schon so klingt?

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