Coax-Digitalverbinder – (k)ein Vergleichstest (Teil 3)

27 Jan

Der Hörvergleich

Spoiler-Alarm: Alle drei Kabel klingen unterschiedlich! Und das dürfte nicht primär an den unterschiedlichen Kabellängen liegen. Aber der Reihe nach…

Drei Digitalkabel mit BNC-Steckern
Digitalkabel von Aqvox, Oyade und Mutec
Album-Cover Scattering Poems von der deutschen Pianistin Julia Hülsmann und der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken.
Scattering Poems von Julia Hülsmann und Rebekka Bakken

Auf meiner Langzeit-Playlist, deren Stücke ich seit vielen Jahren in- und auswendig kenne, findet sich u.a. The Moon is hiding vom Jazz-Album Scattering Poems von der deutschen Pianistin Julia Hülsmann und der norwegischen Sängerin Rebekka Bakken. Begleitet werden sie von Marc Muellbauer am Kontrabass und Heinrich Köbberling am Schlagzeug. Das Stück wurde sehr direkt aufgenommen und schön transparent eingefangen. Es bleibt für mich immer wieder hörenswert, wie die Texte des amerikanischen Dichters und Schriftstellers Edward Estlin Cummings hier zu Musik transformiert werden.

Ist die Kette tonal nicht ausbalanciert, bekommt man das unmissverständlich mitgeteilt. Vor allem das Klavier und Bakkens Stimme können dann schnell ins Helle und Schneidende kippen. Das Aqvox offenbart in meiner Kette im Vergleich mit den anderen Digitalverbindern einen Mangel an Ortbarkeit. Nicht missverstehen: Man kann auch mit dem diesem Digitalkabel unbeschwert Musik genießen, aber im Vergleich fehlt hier das Pin-Pointing des Oyade und des Mutec. Die Wiedergabe ist flächiger, die räumliche Anordnung der Instrumente unpräziser und ich vermisse die Tiefenstaffelung der anderen beiden Kabel. Die Stimme von Bakken tendiert ins Helle und manchmal Spitze.

Das Oyade klingt hier im Vergleich deutlich luftiger und räumlicher. Es scheint höher aufzulösen und mehr Raum zwischen den Schallereignissen zu lassen. Das Schlagzeug im Stück The Moon is hiding scheint über das Silberkabel mehr Energie zu besitzen als bei den beiden Mitwettbewerbern. Die Transparenz und Durchhörbarkeit macht es einfach, der Musik zu folgen. Der Kontrabass ist sehr konturiert, wird aber vergleichsweise schlank wiedergegeben. Die Stimme von R. Bakken ist für meinen Geschmack etwas zu schlank und mir eine Spur zu körperlos. Auf der Habenseite: Die Becken und die Rimshots auf der Snare klingen überaus authentisch, real und für mich richtig. Das gelingt sehr gut und hier ist das Oyade meines Erachtens wirklich Spitzenreiter in diesem Vergleich. Diesen Realismus hätte ich gerne immer und überall!

Mit dem Mutec-Kabel agiert Köbberling am Schlagzeug zurückhaltender. Die Schallereignisse sind deutlich besser integriert. Die Stimme von Rebekka Bakken ist nach meinem Dafürhalten allerdings nicht ganz so deutlich konturiert wie beim Oyade. Das Klavier klingt etwas gedeckter und ist nicht so einfach zu verorten. Muellbauers Kontrabass hat mehr Körper. Das hört sich für mich richtiger an. Die Besen von Heinrich Köbberling klingen nicht ganz so prägnant und realistisch wie mit dem Oyade. Was mich immer wieder erstaunt: die ganze Bühne scheint niedriger – nicht nur bei diesem Stück. So, als wäre die Decke über der Bühne abgesenkt worden.

Album-Cover Red Desert von Claude Chalhoub
Red Desert von Claude Chalhoub

Ein weiteres Stück in Langzeit-Rotation: Red Desert vom libanesischen Musiker und Ausnahme-Violinisten Claude Chalhoub. Hier habe ich nun das mir gut bekannte Aqvox endgültig zur Seite gelegt und nur noch A-B-Vergleiche zwischen dem Silberleiter von Oyade und dem versilberten Kupferleiter von Mutech gemacht. Wieder klingen beim Oyade die Becken, die Rimshots, die Snare selbst losgelöster, offener und natürlicher als beim Mutec. Die ab Minute 1:20 einsetzende Flöte wird für meinen Geschmack allerdings schon fast etwas spitz wiedergegeben. Die einzelnen Instrumente werden sehr konturiert dargestellt und erklingen in einem vergleichsweise großen Raum. Mir gefällt das, aber ich frage mich beim Hören, ob das bereits „larger than live“ ist. Wieder gerät vor allem der perkussive Teil sehr realistisch. Die Streicherpassage hat für meinen Geschmack etwas zu viel „grain“ – in Ermangelung eines besseren Ausdrucks. Das könnte für meinen Geschmack flüssiger und organischer sein.

Mit dem Mutec spielt die Kette im Vergleich kompakter, kleiner und subjektiv nicht so hochauflösend – aber in Summe deutlich entspannter.

Album-Cover Cape Town Reviseted vom Abdullah Ibrahim Trio
Cape Town Reviseted vom Abdullah Ibrahim Trio

Der letzte Song von einer meiner Langzeit-Playlisten: Tuang Guru vom Abdullah Ibrahim Trio, von ihrem Live-Album Cape Town Revisited. Ich mag Abdullah Ibrahims Musik, die afrikanischen Einflüsse darin und insbesondere diese farbige, kräftige und erdige Live-Aufnahme. Beim Oyade wirkt es allerdings, als wäre eine Loudness-Schaltung aktiviert. Die Klaviertöne sind etwas vorlaut (ab Minute 2:17), alles ist ausgeleuchtet wie unter einem hellen Scheinwerfer. Auf Dauer finde ich das etwas anstrengend und ich frage mich, ob das Kabel einfach noch deutlich mehr Zeit zum Einspielen benötigt. Das Mutec tönt hier bei gleichem Lautstärkepegel subjektiv leiser. Die Bühne reicht weit nach hinten, aber auch hier: Die Musiker scheinen in einem niedrigeren Raum zu stehen. Das Mutec erweist sich erneut als gute Paarung für das Langzeithören.

Album-Cover Archaeopteryx von Monolake
Archaeopteryx von Monolake

Ich höre viel elektronische Musik, um nicht zu sagen: sehr viel. Es gibt richtig gute Produktionen, etliche mediokre und auch viele lieblose, um nicht zu sagen: schlecht produzierte. Monolakes Album Archaeopteryx zählt sicherlich zu den gut produzierten. Das Stück Specimen Fractal öffnet riesige Räume und Monolake schafft hier großartige Soundscapes. Das Oyade spannt im Vergleich die größten Räume mit enormer Breite und Tiefe auf. Es klingt einfach nach mehr! Luftiger, unbegrenzter und schlicht spektakulärer! Die Wiedergabe ist durchhörbarer, aber eben auch anstrengender, da v.a. die Höhenwiedergabe im Vergleich vorlaut ist. Das Mutec spielt im Vergleich enger, kompakter, aber eben auch deutlich integrierter, subjektiv kompakter und schneller, vielleicht sogar muskulöser. Die Informationen sind alle da, aber über das Mutec sind sie besser eingebunden. Auch das Mutec gibt einen konturierten und tiefgründigen Bass wieder. Das passt für mich so.

Album-Cover Ky von Sebastian Studnitzky
Ky von Sebastian Studnitzky

Sebastian Studnitzky, der deutsche Jazztrompeter, Jazzpianist und Komponist hat mit KY 2019 ein abwechslungsreiches Live-Album (Live in Berlin) herausgebracht. Das Stück Luba ist ein schönes Beispiel für lässiges Trompetenspiel, schwebend auf einer rhythmischen Struktur, getragen von Klavier, Schlagzeug und Kontrabass. Das Oyade wirkt wieder subjektiv lauter und bietet insgesamt mehr Raum! „Larger than life“, steht in meinen Notizen. Deutlicher wahrnehmbare Anschläge der Basssaiten? Gerät die Trompete hier größer und schiebt sich in den Vordergrund? Insgesamt scheint alles silbriger, heller und ich bekomme beim Lauterhören Druck auf den Ohren… Das Mutec wirkt auch hier wieder kompakter, aber auch griffiger und insgesamt klarer strukturiert – wie gesagt: im direkten Vergleich zum Oyade. Die Instrumente sind beim Mutec besser integriert. Der Bass ist sehr sauber artikuliert und „trockener“. Alles wirkt aufgeräumter.

Leo Betzel Trio (LBT)
Leo Betzel Trio (LBT)

Bereitet Studnitzky mit seinen rhythmischen Strukturen den Weg, sind wir beim Leo Betzel Trio (LBT) aus dem Süden der Republik endgültig bei analog hergestellter Musik für „Tanzlustbarkeiten“ angelangt, die sonst in Techno-Clubs stattfinden. Das Live-Album „Live at the Living Hotel Frankfurt“ und der Track Sober bringt das ohrenfällig rüber. Real fun! Analog Techno as its best – es muss ja nicht immer Meute, Brandt-Brauer-Frick oder Elektro Guzzi sein. Der Track geht jedenfalls auch laut richtig gut! Das Schlagzeug klingt ganz und gar nicht nach Tupperdose, sondern so wie es soll mit ordentlich Substanz und Fleisch. Wie viele Songs haben mir in den 1980ern gerade wegen dieser Schlagwerke, die nach Pappe klangen, nicht gefallen! Aber ich schweife ab. Zurück zu LBT: Das Schlagzeug treibt den Song nach vorn und legt das Fundament für die repetitiven Pianofiguren. Ebenfalls von LBT gibt den Song Tacete von 2020 in 24 bit / 48 kHz. Elektronischer und weniger körperhaft als das Live-Album, aber ebenfalls ein großer Spaß und auch bei nicht mehr sozialverträglichen Laustärken sehr gut hörbar.

Album-Cover Thunder der Bassisten Stanley Clarke, Marcus Miller and Victor Wooten (S. M. V.)
Thunder von Stanley Clarke, Marcus Miller and Victor Wooten (S. M. V.)

Einer geht noch: Ebenfalls viel Spaß bieten die Bassisten Stanley Clarke, Marcus Miller and Victor Wooten (S. M. V.) auf ihrem gemeinsamen Album Thunder z. B. mit dem Track Classical Thumb (Jam). Das Mutec-Kabel gibt ihr Bassspiel kompakter, aber auch griffiger und klar strukturiert wieder. Das Zusammenspiel der drei wirkt hierüber besser integriert. Ich hatte mir beim Hören notiert: „furztrocken und aufgeräumt“. Die drei Musiker scheinen auch hier wieder „niedriger“ zu stehen als bei der Wiedergabe mit dem Oayade.

Fazit

Sie haben es sicher längst erkannt: die Höreindrücke zu den Alben ähneln sich und ich komme endlich zur Conclusio meines Feldversuchs. Um es nochmal ganz deutlich zu machen: die klanglichen Beschreibungen beziehen sich auf den direkten Vergleich in meiner Kette. Ich habe zum Oyade in Blogs und Rezensionen Klangbeschreibungen gelesen, die in eine andere Richtung gingen: farbig, saftig oder gar schönfärbend. Das hat sich bei mir nicht bestätigt. Und zwar gar nicht!

Vielmehr scheint es, dass das Ende dieses Hörvergleichs nicht das Ende meiner Reise darstellt und die Kabelfrage auch nicht abschließend zu beantworten ist. Aber das Ansetzen an dieser Stelle in der Digitalkette lohnt hörbar! Die Unterschiede treten deutlich zu Tage und sind mit unterschiedlicher Musik reproduzierbar.

Mutec- und Oyade-Kabel
Das Mutec- und Oyade-Kabel teilen sich Platz 2

Aus meiner Sicht gibt es mit dem Oyade und dem Mutec zwei zweite Plätze und mit dem Aqvox einen – ich muss es klar so schreiben – dritten. Beim Oayde hat mir die Räumlichkeit und die realistische Wiedergabe vor allem von Blech (Schlagzeugbecken, Bläser) sehr gefallen. Gefehlt hat mir das Körperhafte, z. B. bei Kontrabässen und Stimmen. War die Einspielzeit am Ende doch zu kurz? Was mich stört, ist die Vordergründigkeit oder – anders gesagt – das ins Vorlaute kippende der Höhenwiedergabe. In meiner Konstellation trägt das nicht unbedingt zum entspannten Langzeithören bei, obwohl mir Etliches gut gefallen hat an diesem japanischen Silberkabel.

Das Mutec stellt einen sehr guten Kompromiss dar mit deutlich besserer Integration der einzelnen Klangereignisse in ein schlüssiges Ganzes. Die Informationen sind alle vorhanden bzw. hörbar, der Raum im Vergleich eingefasster und niedriger. Die Tonalität ist top! Die Wiedergabe bleibt immer entspannt, so dass auch langen Hörsessions nichts im Wege steht.

Am Ende gibt es keine wirkliche Nummer eins, keinen strahlenden Sieger auf dem obersten Podestplatz. Ich werde also weitersuchen, ob sich nicht doch noch ein Digitalkabel findet, dass die Meriten von Oyade und Mutec synergistisch verbindet oder sogar hier und da noch mehr kann bzw. das Signal noch weniger beeinflusst. Ich bin jetzt angefixt und überzeugt, dass hier noch etwas zu holen ist. Ich werde mich weiter umhören. Es bleibt spannend! Damit kommen wir zum letzten Teil dieses Vergleichs, zu Teil 4.

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