Das doppelte Lottchen oder die Kaskadierung der Re-Clocker (Teil 4)

23 Aug.

Es musste ja so kommen. Irgendwann musste ich ausloten, was die beiden Mutec-Re-Clocker (siehe Beiträge Teil 1Teil 2 und Teil 3)) im Verbund mit einer externen 10-Mhz-Clock – hier der Ref 10 Nano – aus gleichem Hause klanglich zu liefern im Stande sind. Die typischen Digitalgerätschaften wie D/A-Wandler, Musik-Server, Switches, Streamer, CD-Player etc. arbeiten alle mit internen Taktgebern. Von außen den Takt vorzugeben und diese direkt an die „Leine“ zu nehmen, funktioniert jedoch nur bei weingen Geräten auf direktem Weg. Mutec hält auf der Webseite eine Liste mit aktuell kompatiblen Produkten bereit, die kontinuierlich fortgeschrieben wird.

Ref 10 Nano Closeup Vorderseite
Ref 10 Nano (Herstellerbild)

Natürlich sind die hauseigenen MC3+ USB-Interfaces mit entsprechenden Clock-Eingängen ausgestattet, so dass sich ein hochpräziser Referenztakt von außen zuführen lässt und der interne außen vor bleibt. Achtung Spoiler-Alert: Davon profitiert die gesamte Digitalkette.

Seit 2017 markierte Mutec mit dem Ref 10 Referenztaktgenerator den Startpunkt für diese Gerätegattung. Ausgestattet mit einem aufwendigen Linear-Doppelnetzteil und insgesamt acht BNC-Ausgängen für die Ausgabe der 10-MHz-Referenztaktsignale, 2 x mit 50 Ohm- oder 6 x 75 Ohm-Terminierung. Letztere sind mit den Mutec-eigenen Komponenten nutzbar.

Dann kam der Ref 10 SE120 mit gleichen Gehäuseabmessungen auf den Markt. Dieser markiert bis heute die Speerspitze der Entwicklung, ebenfalls mit einem ofen‑kontrollierten Quartzoszillator (OCXO) an Bord, der in allen Ref 10 zum Einsatz kommt. Die Konstanz und Jitterfreiheit dieser auf 80 Grad temperierten Bausteine soll unübertroffen sein. Keine Sorge, das Gehäuse erwärmt sich dadurch nicht. Beim SE120 wird die besondere Präzision und Rauscharmut durch eine entsprechend strenge Selektion erreicht. Die „120“ steht bei der Modellbezeichnung für ein Phasenrauschen von ‑120 dB statt -116 dB beim Standard-Ref 10. Beim Ref 10 SE120 wurden also durch die Selektion der OCXO die technischen Parameter auf die Spitze getrieben.

Technisch gäbe es sicher noch eine Menge mehr zu der Familie der Taktgeneratoren von Mutec zu sagen, aber das ist anderswo bereits recht ausführlich abgehandelt worden.

Mutec REF10 SE120 mit MC-3+ USB
Mutec REF10 SE120 mit MC-3+ USB (Herstellerbild)

Daher hier die Kurzform: um den beheizten Taktgeber herum sind Geräte entstanden, die es den angeschlossenen Komponenten ermöglichen, diesen hochpräzisen Referenztakt zu nutzen, um das digitale Signal möglichst jitterfrei und mit hoher Flankensteilheit auszugeben.

Ref 10 Nano Voder- und Rückseite
Mutec Ref 10 Nano – Vorder- und Rückseite (Herstellerbild)

Damit komme ich zum Mutec REF10 Nano, dem kleinsten, jüngsten und günstigsten Spross der Referenztaktgeneratoren-Familie von Mutec mit vier parallel nutzbare Ausgängen (2 x 50-Ohm/2 x 75-Ohm). Und genau um diesen Taktgeber geht es hier. Nicht nur die Gehäusegröße ist im Vergleich sichtlich geschrumpft, auch die Stromversorgung wurde einem internen, kompakten Schaltnetzteil überlassen.

Für Tuning-Willige (wie mich) gibt es einen 15V-DC-Eingang mit einer eher exotischer Lumberg-Buchse zum Anschluss eines externen Netzteils. Damit lässt sich das interne Schaltnetzteil bequem bypassen und durch ein rauscharmes und höherwertiges Linearnetzteil ersetzen. Soviel vorweg: das bringt noch mal mehr Ruhe, Selbstverständlichkeit und eine hörbar natürlichere Wiedergabe. Daher würde ich immer empfehlen, dieses Zusatzinvest mit einzukalkulieren.

Kecec P6 Vorderseite
Kecec P6 Vorderseite (Herstellerbild)

Mir war von Anfang an klar, dass ich letztlich beim Ausbauzustand mit einem externen Netzteil landen würde. Warum also nicht direkt mit dieser Konfiguration starten? Upgrade-Pfade sind etwas Schönes, aber leider nichts für Ungeduldige. Das Kecec P6 Linearnetzteil schien mir ein geeigneter Kandidat zu sein, gibt es zwei Gleichspannungen gleichzeitig aus, die sich unabhängig voneinander einstellen lassen. Damit lassen sich in der ersten Zone 5, 7, 9 oder 12 Volt wählen und in der zweiten 12, 15, 19 oder 24 Volt. Damit ist das Kecec deutlich flexibler als die günstigeren Sbooster BOTW P&P-Netzteile, die eine einzige Spannung ausgeben. Bei einem Gerätewechsel wäre dann zukünftig womöglich immer auch ein neues Netzteil fällig. Mit 2,5 mm Hohlsteckern kann angedockt werden. Zwei indentische DC-Kabel sowie das obligaroische Netzkabel liegen dem Gerät bei. Das Netzteil macht in seinem Vollaluminiumgehäuse einen sehr wertigen Eindruck und bekommt somit auch einen Stellplatz im Rack zugewiesen.

Auf eine Besonderheit, die mir in meiner Kette auffiel, möchte ich noch ausdrücklich hinweisen. Bisher hat kein anderes Gerät mit Linearnetzteil so eindeutig, um nicht zu sagen so krass, auf die Position des Netzsteckers reagiert. In der „falschen“ Position klang die Musik energielos und v.a. in der Wiedergabe der Höhen beeinträchtigt, regelrecht „gekappt“ und komprimiert. Auch bei höherer Lautstärke blieb der auditive Eindruck von Energielosigkeit, Gedämpftheit und Kompaktheit. Nach der Veränderung der Steckerposition ging sofort die Sonne auf. Die Bläsersätze bei dem ohnehin überraschenden „Album Cheek to Cheek“ von Tony Bennert und Lady Gaga (2014) oder beim Album der Mark Lettieri Group zusammen mit der WDR Big Band (2025) strahlten wieder und entfachten den typischen Verve von Big-Band-Bläsersätzen. Das war mit „Schmackes“, wie man im Ruhrgebiet sagen würde. Die eindeutig als richtig ermittelte Phasenlage wurde netzeingangsseitig am Kecec markiert. Dafür nutze ich seit Jahren kleine rote Klebepunkte. In diesem Fall wären diese fast unnötig, das – siehe oben – der Unterschied derart deutlich ausfiel, das ich die richtige Position jederzeit wieder leicht ermitteln könnte.

Kecec P6 Rückseite
Kecec P6 Rückseite (Herstellerbild)

Über das DC-Kabel würde ich hier kein Wort verlieren, wenn es nicht einen klanglichen Unterschied machen würde. Es gibt eine breite Auswahl an Optionen, die jedoch in aller Regel keine Konfektion auf die Lumberg-Stecker vorsehen. Mutec hat vorgesorgt und legt jeden Gerät einen passenden Lumberg-Stecker bei. So kann dieser an das Wunschkabel angelötet werden. So bietet zum Beispiel der deutsche Kecec-Vertrieb, Robert Ross, eigene, hochwertige DC-Verbinder. Nach einiger Suche habe ich mich für das Gotham GAC-4/1 11301 UltraPro Star Quad DC-Kabel direkt aus China entschieden (Anbieter-Link). Hier gibt es die Möglichkeit, dieses bereits mit dem Lumberg-Stecker konfektoniert zu bestellen. Das 1,5 m lange Kabel wurde mit einem Oyaide DC-2.5G-Stecker (zum Netzteil) und mit einem Lumberg-Stecker (1636 05, zum Ref 10 Nano) bestückt und konnte nach Lieferung sofort zum Einsatz kommen. Das Gotham-Kabel GAC-4 ist eigentlich ein Mikrofonkabel und entsprechend aufwendig geschirmt. Einstreuungen dürften somit außen vor bleiben.

Aufbau Gotham DC-Kabel GAC-4
Aufbau Gotham DC-Kabel GAC-4 (Herstellerbild)

Zum Fundament bzw. zur Stromversorgung ist damit erstmal alles Wesentliche für mein Setup beschrieben.

Doch wie gelangt das Clock-Signal zu den MC3+ USB-Interfaces? Nach meiner Lernkurve mit den Wireworld-Silberkabeln als 75-Ohm-Digitalverbinder habe ich in Frankreich zwei Wireword Gold Starlight 8 in 0,5 m Länge in BNC-Ausführung erstanden. Nein, die Leiter bestehen nicht aus Gold, sondern aus silber. Die Vorgängerserie 8 (aktuelle Serie ist die 10) erfüllt Ihren zugedachten Zweck vollkommen und war als Vorführer für etwa die Hälfte des Preises zu haben. Zwei Kabel zum Preis von einem sozusagen. Auch hier das gleiche Prinzip wie beim Netzteil und DC-Kabel: Diese Wireworld-Kabel sind hochwertige Verbinder und No-Brainer, so dass man diese Variable aus der Gleichung streichen kann – „abgehakt“ sozusagen.

Kommen wir zu den alles entscheidenden Fragen: Wofür das alles? Was soll der ganze Aufwand? Und was soll an einem sepraten Taktgeber denn bitte besser sein als an in den internen? Zumal bei der internen Variante auch noch Buchsen, Kabelwege und damit (Übergangs)-Widerstände wegfallen würden…

Es gibt von anderen Rezensenten den Tipp, eher mit einem einzigen MC3+ Re-Clocker und einem Ref 10 zu starten. Ist offenbar die klangliche Verbesserung deutlicher als bei zwei Re-Clockern ohne separate Taktung. Jetzt kann ich endlich selbst nachvollziehen warum. Nein, ich habe die Re-Clocker zum Vergleichstest nicht auf einen reduziert, sondern den Ref 10 Nano vom Start weg mit den beiden MC3+ USB-Interfaces verbunden. Die klanglichen Resultate dürften trotzdem übertragbar bleiben.

Das spielt jetzt nicht irgendwie ein bisschen anders, die Kombination spielt auf einem komplett anderen Niveau. Interessante, aber eigentlich auch nicht überraschende, Beobachtung: das von mir im Fachhandel erworbene Neugerät spielte mit jeden Tag noch etwas besser und nach zwei Wochen Dauerbetrieb war der Ref 10 dann richtig „eingefahren“. Ein vierzehntägiger Dauerbetrieb nach Inbetriebnahme wird im Übrigen auch von Mutec ausdrücklich empfohlen.

Ich versuche es mal wie folgt zusammenzufassen: Das auffallendste Merkmal ist für mich und mit meiner Konfiguration die frappierende, weil deutliche, Zunahme an Dreidimensionalität, Bühnentiefe und weitestgehender Loslösung der Musik von den Schallwandlern. Aus einer vergleichsweise(!) flachen und komprimierten Tiefenstaffelung wird nun – je nach Aufnahmeraum – ein sehr weit nach hinten reichender Raum mit erfahrbaren Größenverhältnissen und einem dicken Plus an Realismus. Das Klanggeschehen löst sich noch deutlicher von den Lautsprechern und die Wiedergabe klingt dabei noch natürlicher und im besten Sinne analoger, fließender. Die Musik scheint räumlich nicht mehr in Verbindung mit den Lautsprechern zu stehen, sondern vollkommen losgelöst von diesen. In der Disziplin Raumabbildung und Bühnentiefe hatte bislang immer noch mein Accuphase-CD-Player DP-67 die Nase hörbar vorn. Das ist jetzt Vergangenheit und das Streaming-/Roon-Setup mit dem Mac Mini samt UpTone-Netzteil hat diesen Abstand nicht nur wettgemacht, sondern lässt den Accuphase hinter sich.

Ich kann mich der Empfehlung anderer Rezensenten nur anschließen: statt in einen zweiten Re-Clocker, ist man gut beraten, zunächst in einen externen Taktgeber wie den Ref 10 Nano zu investieren. Die Positivwirkung des externen Taktgebers ist für mich sehr deutlich nachvollziehbar und es klingt nicht nur einfach anders. Mit den größeren und deutlich teureren Geschwistern der Ref 10-Familie geht da höchstwahrscheinlich noch mal mehr – sonst würden diese Ausbaustufen im Mutec-Portfolio ja wenig Sinn ergeben. Derzeit fällt es mir allerdings schwer, mir vorzustellen, was da klanglich noch besser werden könnte.

Die Frage, die ich mir eindenk der klanglichen Verbesserungen nicht wirklich beantworten kann: warum habe ich mir mit diesem Schritt rmehr als sieben Jahre Zeit gelassen? Auf dem Niveau hätte ich gerne schon früher gehört! Diese präzisen Taktgeber sind wirklich nicht zu unterschätzen und können die digitale Kette auf ein deutlich höheres Niveau befördern. In meiner Kombination mit den MC-3+ Smart Clocks und dem Chord Hugo TT kann ich die Ref 10 Nano jedenfalls uneingeschränkt empfehlen.

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